Ein Hallo aus Afrika!
Seit diesem Freitag wohne ich nun in meiner Gastfamilie, welche aus drei Schwestern im Alter von 34, 17 und 12 Jahren besteht. Die Wohnung ist sehr klein und Sachen wie fließendes Wasser gibt es jetzt auch nicht mehr für mich. Wir waschen uns daher aus einem großen Wassereimer, können auf der Toilette nicht spülen und müssen jeden Tag viele Liter Wasser in den ersten Stock hoch tragen. Auch die Küche ist winzig und besteht nur aus ein paar kleinen Schränken, einem Loch im Boden für das Abwasser und einem winzigen Ofen. Der Rauch steht beim Kochen dann immer im Zimmer und kann nur durch die Fenster nach draußen was der Grund dafür ist, dass manchmal das ganze Haus vor lauter Qualm stinkt.
Im Bad (was ein winziger Raum mit drei Wassereimern ist), in der Küche und auf der Toilette gibt es auch keine geschlossenen Fenster, diese sind nur mit einem Gitter „versperrt“.
Da der Mann der ältesten Schwester (meiner Gastmutter) zur Zeit im Ausland auf Geschäftsreise ist, teile ich mir mit ihr das Schlafzimmer. In dem anderen Zimmer schlafen die beiden anderen Schwestern, aber es wird auch als Wohnzimmer, Esszimmer und Gemeinschaftsraum genutzt. Nachmittags und abends versammeln sich dort alle und gucken zusammen Fernsehen und es ist furchtbar, weil die Sendungen hier sehr sehr schlecht sind...
Mit der Familie komm ich ganz gut zurecht, sie sind sehr freundlich zu mir, eigentlich schon zu freundlich, denn ich darf meistens nicht im Haushalt helfen, bekomm immer den besten Platz vor dem Fernseher und soll als Erste anfangen zu essen. Das kann manchmal sehr belastend sein, aber ich denk, dass lockert sich noch auf. Nur leider unternehmen wir nicht viel. Mir wurde zum Beispiel noch nicht die Stadt, der Strand oder irgend etwas anderes gezeigt und ich muss mich die ganze Zeit selbst beschäftigen was wirklich schwer ist, denn die Gastmutter ist des Öfteren unterwegs – wo, weiß ich auch nicht – und ich kenn mich hier überhaupt noch nicht aus. Ein paar mal waren wir mal kurz bei Verwandten zu Besuch. Dort wurde ich auch immer sehr freundlich aufgenommen und wenn Kinder da sind hab ich auch immer wieder Spaß mit ihnen zu spielen.
Leider sind nur gerade noch Ferien und die Schulen und Kindergärten sind noch geschlossen was bedeutet, dass ich noch nicht arbeiten gehen kann. Gestern bin ich in mein zukünftiges Projekt gegangen um mir das Gebäude mal anzusehen und meine Chefin ein bisschen besser kennen zu lernen und da musste ich leider feststellen, dass dieser Kindergarten wirklich viel Geld hat. Da es nicht das Ziel meines Programmes ist, in Luxuseinrichtungen sich das Leben schön zu machen werde ich wahrscheinlich, noch bevor ich angefangen hab zu arbeiten, meine Arbeitsstelle wechseln müssen. Eventuell komme ich in eine Einrichtung für Waisenkinder, aber das steht jetzt noch nicht ganz fest, zumal ich dann auch meinen Wohnort bzw. meine Gastfamilie wechseln müsste und das sehr umständlich werden würde.
Nun ja, wie ihr merkt, ist gerade noch alles sehr ungewiss und offen und eventuell wird alles anders, als es eigentlich geplant war. Aber das Wetter ist immer noch wahnsinnig schön und die Stadt fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ich freu mich auf jeden Fall, alles besser kennen zu lernen und bin mal gespannt, was noch so alles auf mich zukommt.
Ich hoffe, euch geht es auch gut!
Liebe Grüße aus Afrika, die Ruth
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