Sonntag, 20. Februar 2011

...mal was vom Land

Jaja, Urlaub machen ist auf jeden Fall immer wieder schoen und Kenia ist wirklich sehenswert...


Lamu ist einfach nur zum Verlieben - eine kleine niedliche Insel, keine Autos, friedliche Menschen und die Ruhe in sich. Einfach schoen!


So ein Marktleben koennte man irgendwie ueberall in Kenia finden, typisch einfach...


Falls mal jemand Lust hat, mehr ueber Esel zu erfahren kann ich Lamu nur empfehlen - da trifft man (so fuehlt es sich an) tausende. Um Mann zu sein braucht man einen Esel. Bei Emanuel, einem Freiwilligen, der hier lebt, stand der Esel des einen Gastbruders sogar schon im Wohnzimmer. Sie haben hier eben ihre ganz besondere Stellung...


Diesen Freund haben Sven und ich in Arusha (Tanzania) kennengelernt. Nachdem wir ihn nur nach dem Weg zur Bank gefragt haben sind wir ihn einfach nicht mehr losgeworden - er ist uns eine geschaetzte Stunde hergelaufen und wollte danach Geld fuer eine Stadtfuehrung haben. Sehr typisch fuer die Leute hier; nur dass dieser sehr boese war, dass wir ihm nichts gegeben haben, so wie es sonst die Touristen wohl tun.


Ja genau, so sehen die Supermaerkte (von denen es hier zum Glueck nicht all zu viele gibt) in der Weihnachtszeit aus - hauptsache viel Kitsch und Glitzer. Versteht ihr jetzt vielleicht auch, warum ich mich auf das naechste Mal Dezember freue?


Den Luxus, mit einem Jeep durch die Landschaft zu fahren, hatte ich leider bis jetzt erst einmal, aber dafuer war es sehr cool...


Dieses Bild lass ich mal kommentarlos - man erkennt ja alles, oder?


Nachdem wir festgestellt haben, dass der Schlangenpark wirklich nicht so besonders spannend ist wurden wir von einem Mitarbeiter in ein hinteres Kaemmerchen gefuehrt und der zeigte und dann dort sein Prachtstueck: "Ja, die ist wirklich teuer, aber voll harmlos...". Mit der Information, dass sie wirklich teuer ist, so wurde uns dann klar, wollte er nur noch mal betonen, dass wir ihm wirklich Geld dafuer geben sollen. "Wofuer denn?" - dafuer, dass er so grosszuegig war und wir Fotos mit ihr machen durften. Jaja, gegen Geldverdienen haben die Kenianer ja gar nichts, vorallem, wenn es krumme Dinge sind...


Ein Blick auf die Hauptstadt Nairobi, vorallem: fuer den halben Preis (handeln muss man koennen...)


Anfang Februar sind wir Marie, eine Freiwillige, die im Landesinneren in den Bergen wohnt, besuchen gefahren und es war traumhaft: Frische Luft, Ruhe und herrliche Natur. Ich geb ja zu, der Aufstieg auf diesen Berg war anstrengend, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt!


Wenn man dann schon ein Stueck gelaufen ist und dachte, jetzt ist man wirklich voll abgeschieden von der Zivilisation und kein Mensch ist mehr zu finden, kamen doch immer wieder Haeuser, in denen auch wirklich Leute leben.


Naja, Bananenbaeume sind hier nicht so ganz selten, Maries Gastfamilie hat sogar ihren eigenen im Garten stehen. Darauf kann man doch nur neidisch werde, oder?


Das dumme am Indischen Ozean und der Ebbe und Flut ist, dass es ab und zu passiert, dass man baden moechte und das Meer ist verschwunden. Das ist manchmal schade, aber da man in Kenia sowieso alle Zeit der Welt hat, kann man ja auch warten, es duerfte sich eh nur um Stunden handeln.


Ja, das waren mal ein paar Bilder von meinem Urlaub in den letzten Monate. Beim Aussuchen ist mir gerade aufgefallen, dass ich mich schon aufs naechste Mal voll freue...

Donnerstag, 3. Februar 2011

Vision Of Hope

Hallo mal wieder aus Kenia!

Nur noch ein paar Tage und dann bin ich bei der Haelften meines Auslandsaufenthalts angekommen. Das war auch der Grund, warum ich in der letzten Woche nicht in der Schule war, denn wir hatten unser Zwischenseminar. Das war ziemlich cool, weil wir uns zu acht als die komplette Gruppe mal wieder alle auf einem Haufen gesehen haben und eine Menge Spass hatten, weil wir vormittags immer ueber unsere Gastfamilien und Projekte geredet haben und uns mal ordentlich ausheulen konnten und nachmittags dann machen konnten, was unser Herz begehrte, das war meistens in den Pool springen oder sich sonnen. Auch wenn das Hotel ein bisschen uebertrieben war, weil wir uns ja sowieso alle an den kenianischen Luxusstandart gewoehnt haben und keine Klospuehlung und fliessendes, warmes Wasser mehr brauchen, geschweige denn einen Kuehlschrank im Zimmer oder klimatisierte Raeume, konnten wir das mal wieder geniessen.

In meiner Schule (welche sich uebrigens Vision of Hope nennt) laeuft mittlerweile alles automatisch und an Dinge, mit denen ich am Anfang ganz schoen zu kaempfen hatte, denk ich schon gar nicht mehr, weil es so normal geworden ist. Zum Beispiel bin ich mittlerweile sehr gut in der Lage, mit meinen Schuelern zu kommunizieren, zumindest kann ich sehr gut sagen, wenn ich es mit der Situation vom Anfang vergleiche. Die Kinder haben, glaube ich, ein bisschen mehr Englisch gelernt (immerhin konnten sie, als ich ankam, kein Wort) und sich auch an meine Aussprache gewoehnt, da die ja doch einiges anders ist als die der Kenianer. Ausserdem war mein Kiswahiliunterricht, auch wenn nur ein bisschen, erfolgreich und im allergroessten Notfall, wenn die Sprachprobleme unloesbar scheinen, kann ich auch meine Kollegin fragen, ob sie mir hilft, da sie ja mit ihren Klassen im gleichen Raum ist wie ich. Ausserdem habe ich mit der Zeit meinen eigenen Lehrplan erarbeitet und weiss mit Hilfe von ein paar am Anfang nur rumliegenden Schulbuechern jetzt ungefair, was die Kinder in welcher Zeit und welchem Fach lernen muessen – das wusste ich ja am Anfang ueberhaupt nicht, man hat mich nur vor die Klasse gestellt und gesagt “los jetzt, unterrichte” – wie bitte, ohne nur irgendwas vom Unterrichten zu wissen?
Womit ich am Anfang auch Schwierigkeiten hatte waren die Eigenschaften einiger Kollegen, was Puenktlichkeit, Zuverlaessigkeit und Arbeits– Pauseverhaeltniss angeht... Zum Beispiel kommen staendig irgendwelche Lehrer zu spaet in die Klasse, obwohl die Schueler schon eine halbe Ewigkeit warten. Ausserdem haben wir (logischerweise) keine auomatische Schulklingel, sondern mit einer Kuhglocke werden Pausen und Stunden immer per Hand angedeutet. Das Problem ist nur oft, dass der dafuer Zustaendige meistens keine Uhr hat oder sie nicht beachtet und dann kommen und gehen die Stunden immer so, wie sie grad wollen und damit total chaotisch, so dass man sich absolut nicht einstellen kann, wie viel Zeit man noch zum Unterrichten hat. Ach ja, hab ich eigentlich schon erwaehnt, dass Kenianer eh nicht so gerne planen?...
Auch unsere Mittagspause geht von 12 bis 2 Uhr und wir Lehrer kochen unser Essen immer selbst. Oft gibt es nur das Poblem, dass mit Kochen erst gegen um eins angefangen wird und bis das Essen fertig ist, ist es schon um 3, bis dann alle Lehrer gegessen haben ist es zirka halb vier und die Kinder warten schon seit eineinhalb Stunden darauf, dass sie wieder unterrichtet werden. Warum man nicht einfach eher anfaengt mit kochen und dann auch in der Zeit liegt, anstatt jeden Tag das gleiche Zeitproblem zu haben, konnte ich bis jetzt noch nicht ganz verstehen.
Was mich auch oft traurig und wuetend macht ist, dass ich oft Klassen sehe, die rumsitzten und sich langweilen, weil kein Lehrer da ist. Dazu muss man sagen, dass wir nur Volunteerlehrer haben, die unbezahlt und unausgebildet unterrichten. Dazu kommt eben auch oft, dass sie sehr unmotiviert und faul sind und anstatt ihre Arbeit zu machen sitzen sie rum und machen nichts. Das verschlechtert die Bildungsqualitaet nur noch mehr und ich finde es krass zu realisieren, dass die Kinder teilweise einen ganzen Tag in die Schule kommen und nicht unterrichtet werden aufgrund von Bequemlichkeiten.
Noch ein Beispiel zur Unzuverlaessigkeit. In meine Klasse kommt immer ein anderer Lehrer, um islamischen Religionsunterricht zu geben, da die meisten meiner Kinder Muslime sind. Er macht das zwei bis drei Mal die Woche, zumindest sollte er das tun, und er hat es in der ganzen Zeit seit dem ich in der Schule bin noch nicht einmal geschafft, mir zu sagen wann er kommt und dann auch wirklich zu kommen. Meistens sagt er, er wird nach der Fruehstueckspause unterrichten und nachdem ich dann eine halbe Stunde auf in gewartet habe und ihn frage, wo er denn bleibt sagt er mir dann meistens, dass er es doch nicht mehr schafft zu kommen, weil er komischer Weise doch grad in einer anderen Klasse steht oder sonst was vorhat.
Daran, dass durch lauter solcher Sachen immer unheimlich viel Zeit verloren geht und die Kinder so nur noch uneffektiver lernen koennen und bei den Examen nur noch schlechtere Ergebnisse schreiben musste ich mich jetzt gewoehnen. Was fuer mich am Anfang unfassbar war, nimmt man jetzt hin und anstatt mich daruber zu aergern freu ich mich lieber, wie viel Spass es ja macht, in meiner Klasse zu sein.

Mein Schulalltag besteht komplett daraus, zu unterrichten. Da ich die Klassenlehrerin bin, habe ich die volle Verantwortung darueber, was mit meinen Schuelern passiert und was sie lernen. Falls es was gibt, was ich ihnen nicht beibringen kann, Kiswahili zum Beispiel, muss ich mich darum kuemmern, dass das jemand anderes fuer mich tut. Dabei muss ich mal sagen, dass ich ziemlich stolz bin, dass ich trotzdem auch schon Kiswahili unterrichtet hab, denn ich glaube es ist nicht von ohne, jemandem seine Muttersprache beizubringen, die man selbst erst seit ein paar Monaten lernt.
Bei meiner ganzen Arbeit wurde ich noch nicht einmal kontrolliert was ich eigentlich den ganzen Tag tue und ich fand es ziemlich krass, dass ich vom popligen Schueler in eine so hohe Position gekommen bin. Dafuer gibt es meiner Meinung nach zwei traurige Gruende: einmal die Armut in diesem Land und dass die Schule letzten Endes froh sein kann, ueberhaupt jemanden zu haben, der fuer die Kinder da ist und zum anderen meine Hautfarbe, die mich, so wie ich manchmal das Gefuehl habe, teilweise zu allem befaehigt, was ich gerne haette.

Und sonst so: Mir geht es immer noch sehr gut und ich kann meine Zeit hier in Kenia gerade sehr geniessen, weil ich jeden Tag spuere, wie anders die Welt hier doch ist und wie genial es ist, dass ich das gerade so kennen lernen darf.

Ich hoffe, euch geht es auch gut??

Liebe Gruesse aus dem Sueden,
Eure Ruth