Wieder einmal ist mir aufgefallen, dass es Zeit wird fuer einen Blogeintrag, denn so wie ich realisiert habe, war der letzte an einem sehr sehr schlechten Tag geschrieben, und wenn ihr jetzt denkt, dass es mir den ganzen letzten Monat so ging, dann is das sehr falsch, weil so gings mir absolut nicht.
Zugegeben, in der Schule habe ich momentan nich so die riesen Freude. Ich kann gar nicht beschreiben, wieso eigentlich nicht, denn meine Kinder sind alle samt sehr sehr cool und ich hab sie so sehr ins Herz geschlossen. Und sie mich auch, denn meistens, wenn ich eher nach Hause gehe, betteln sie mich, dass ich doch noch laenger bleiben soll und sind dann voll traurig, wenn ich mich dann doch irgendwann losreissen kann. Trotzdem sitz ich dann meistens im Unterricht, immer mit einem Blick auf die Uhr, und warte, bis es denn entlich um 12 ist. Aber da die Zeit hier in Kenya anscheinend zirka drei Mal so schnell vergeht, ist das auch kein grosses Problem und sehr bald ist es auch schon nachmittags. Was ich die ganze Zeit so treibe weiss ich auch gar nicht so richtig. Irgendwie vergehen die Tage immer so wahnsinnig schnell und fast jeden Abend kann ich sagen, dass ich viel erlebt habe.
Das die Zeit so unheimlich schnell vergeht, ist mir schon immer aufgefallen, nur dass es jetzt irgendwie noch viel krasser ist. Jeden Freitag hab ich das Gefuehl, dass nach zwei Tagen schon wieder Wochenende ist und nach ein paar Stunden, so fuehlt es sich an, ist dann schon wieder Sonntag Abend. So sitz ich jetzt auch hier und wenn ich die Wochen zaehle, dann verbleiben mir noch 6. 6 Wochen, was fuer ein Witz. Davon bin ich nur noch 2 Wochen arbeiten, dann haben wir unser Endseminar und dann noch 21 Tage, um die letzte Zeit noch ein bisschen zu geniessen und uns von allen und allem zu verabschieden. Auf Arbeit kommt jetzt schon immer ein anderer Lehrer mit in die Klasse, damit wir langsam Uebergabe machen koennen und wenn ich Waschmittel oder Aehnliches kaufe, dann nur noch die kleine Packung mit dem (schrecklichen) Gedanken "Es lohnt sich nicht mehr." Ich merke langsam, wie es dem Ende zugeht und kann es einfach nicht fassen. Immer mehr hab ich das Gefuehl, dass ich unbedingt hier bleiben will, immer staerker spuere ich, wie ich diesen Ort hier mit allem, was dazu gehoert, sehr sehr doll ins Herz geschlossen habe und jetzt soll es auf einmal vorbei sein. Dass ich nicht lache.
Mein derzeitiges Leben besteht eigentlich daraus, zu feiern, zu entspannen, ueber Gott, die Welt und Afrika zu diskutieren und philosophieren und sich mit Freunden auf die unterschiedlicheste Art und Weise die Zeit zu vertreiben. Am Wochenende gehen wir oft tanzen, letzten Sonntag waren wir am Srand, morgen koch ich mit Freunden fuer die ganze Bande. Zwischendurch sind wir immer noch fleissig am Mangos essen, Film gucken, quatschen, durch die Stadt laufen und gestern warn wir sogar mal im Fitnessstudio. Wenn man dann vielleicht noch ungefair weiss, was fuer Musik ich so zu Zeit hoere, dann merkt man wohl, dass sich mein Leben gerade schon sehr von meinem deutschen unterscheidet...
Meine Gefuehle momentan kann ich einfach nicht beschreiben, ihr sollt nur wissen, dass es mir unglaublich gut geht. Alles scheint (meistens) so perfekt und wenn ich Probleme auf Arbeit hab, dann zaehlt das irgendwie nichts, weil das von allem, was es sonst so gibt, wieder voll weggewischt wird. Ich bin einfach nur so dankbar, dass es mich auf diesen Teil der Erde geschickt hat!
Ich hoffe, ihr habt auch eine wunderschoene Zeit! Wie ich weiss, ist Pfingsten, der Kirchentag und die erste Heuernte schon vorbei? Unbegreiflich...
Ganz liebste Gruesse aus dem fernen Afrika,
eure Ruth