Sonntag, 22. Mai 2011

Was fuers Auge

Es ist mal wieder Zeit, euch ein paar Bilder zu zeigen. Leider habe ich in meinem letzen Urlaub wirklich nur sehr wenige Bilder gemacht, auch wenn es eigentlich echt genug zum Festhalten gegeben haette. Naja, ich hoffe, ihr habt trotzdem Freude damit...:


Aus dem Bus raus.


Es ist unglaublich, was Kenianer fuer einen CocaColakonsum haben und ich finde es sehr lustig zu sehen, wenn die tausenden von Flaschen antransportiert werden. Das ist uebrigens in Lamu.


Das ist auf unserem Bootstripp, der einfach nur unglaublich schoen war. Wir sind ins noch verlasserene Nichts gefahren und haben geangelt, geschnorchelt, entspannt. Die Herrschaften haben, auf dem Boot, fuer uns gekocht und es war sooo lecker!




Als wir dann, ungefair eine Woche nach dem Lamuurlaub, in Meru gelandet sind, gab es einfach zu viele Wolken am Himmel, sodass ich den Mt. Kenya nicht sehen konnte, aber wir hatten trotzdem einen schoener Ausblick wie ich finde.


Solche Huettchen gibt es irgendwie ueberall, aber nicht jede hat diese Aufschrift...


Am Elementaitasee waren wir leider nur ungefair zwei Stunden, weil das Wetter schon echt gruselig war und wir die ganze Zeit dachte, dass gleich ein riesen Gewitter loslegen wuerde und damit haben wir nicht allzuviel von den Flamigongs und Zebras gesehen, dafuer habe ich mit meiner Familie telefoniert, auch wenn selbst das sehr in die Hosen ging, denn die Verbindung war so schlecht.


Ein paar Tage spaeter war ich dann in Kampala, wo ich im ersten Backpackerhostel den lieben Niederlaender kennen gelernt habe, der mir freundlicher Weise die halbe Stadt gezeigt hat. Gute Geheimtipps und ein paar unheimlich witzige Stunden, denn er hat, egal wovon er gesprochen hat, bei jedem Satz gelacht.


Eine von Kampalas vielen Strassen.


Diese BodaBodas haben wir jeden Tag mehrmals genutzt in Form eines Taxis, nur eben sehr billig, wie man sich das vielleicht schon denken kann. Nur dass sie nicht so ganz unsicher sind. Bei meiner ersten Fahrt schreit ein Freund von hinten: "Hey Ruth, jeden Tag sterben 5 Leute in Kampala aufgrund eines Bodabodaunfalls." Aber irgendwann gewoehnt man sich an alles...


Die zweitgroesste Moschee ganz Ostafrikas, vorallem von innen beeindruckend.


Das sind die ersten Meter des Nils und ein Stueck vom Viktoriasee. Schon schoen...

Naja, das ist jetzt vielleicht nicht die schoenste Bilderauswahl, aber ich konnte meinen Urlaub schon sehr geniessen und dafuer musste eben die Kamera im Rucksack bleiben.
Irgendwie kann ich das, was ich von dem Land gesehen habe, nicht in Worte fassen und auch die Bilder sagen irgendwie nichts darueber aus. Am Krassesten finde ich irgendwie immer wieder, wie anders diese Welt hier ist und das fasziniert mich so. Dieser Ort hier ist mir jetzt schon sehr ans Herz gewachsen!

Montag, 9. Mai 2011

Aufgeben?

Hallo schon wieder von mir!

So schnell habe ich noch nie einen neuen Blogeintrag geschrieben und wobei ihr ja alle erst vor zwei Tagen von mir gehoert habt, muss ich mich schon wieder mitteilen.
Als ich heute frueh meinen Wecker gehoert hab, wollte ich absolut nicht aufstehen. Das hat zwei Gruende. Der erste: Zugegeben, ich war in letzter Zeit oft feiern oder hab mit Freunden bis in die Nacht hinein gequatscht. Viel geschlafen hab ich auch nicht und deswegen wundere ich mich nicht, wenn ich muede bin. Der zweite: ich hab es ja in der letzten Rundmail schon geschrieben, dass ich momentan einfach nicht wirklich meinen Platz auf Arbeit finde und es immer wieder schwer fuer mich ist, zu unterrichten, mit den anderen Lehrern zu agieren, mit der Armut umzugehen und das alles am besten noch gut zu meistern. Nach sechs Wochen Pause, hab ich vermutet, wird es dann wohl noch schlimmer werden als sonst.
Als ich dann in die Schule gegangen bin, hab ich mich die ersten fuenf Minuten nicht gut gefuehlt, nach einer halben Stunde dann aber hab ich nicht mehr gewusst, wie ich diesen Tag ueberstehen soll, geschweige denn die naechsten Wochen und Monate. Es war schon so anstrengend, einfach da zu sein. So viel hat mich runtergezogen: die ersten Schlaege auf die Kinder, dann die Vorstellung, heute wieder drei Klassen zu haben, da meine Kollegin nicht da war, der Kommentar einer Lehrerin „du siehst aus, als waerst du in Deutschland gewesen, wie ein richtiger Mzungu (Weisser)“ (genau das will man hier eben nicht sein und dagegen arbeitet man eigentlich immer wieder so hart an). Dann sagte mir Mr. Kassim, dass er mich so vermisst hat und dass er so froh ist, dass ich wieder da bin. Dabei wollte er mich einfach nicht loslassen und kam mit unangenehm nah. Zur Erklaerung: Dieser Mensch raucht, trinkt Alkohol in Mengen, dass er anfaengt, unschuldige Schueler unangebracht zu beschimpfen und zu verpruegeln, hat den Ruf, Frauen und Maedchen sehr zu belaestigen und nutzt es einfach unglaublich aus, dass die Schule ihn braucht. Kurz: ein alter, perverser Sack, vor dem man Angst hat und sich ekelt.
Dann hab ich meine Kinder gesehen. Einige kamen wieder von Weitem angerannt, um mich zu begruessen und haben sich anscheinend wirklich gefreut, mich zu sehen, aber andere haben mir nur einen kurzen Blick geschenkt, um dann schnell wegzugucken. So, wie das Leute machen, die einen nicht kennen. Ich war wohl wirklich lange weg, dass sie mich vergessen haben oder dass die Beziehung, die wir da aufgebaut haben, einfach nicht mehr existiert. Sicherlich kann das wieder werden, aber irgendwie tat es trotzdem unglaublich weh.
Wenn ich jetzt hier in meiner Wohnung bin, weiss ich gar nicht mehr so richtig, was eigentlich so schlimm ist, aber als ich heute frueh auf dem Schulhof stand war ich mir sicher, dass ich nicht laenger bleiben kann. Ich wusste einfach, dass ich da weg muss und alles nicht laenger aushalten kann.
Als ich mit meinem Direktor geredet habe, schien der sehr verstaendnisvoll, auch wenn es ihn wohl doch verwirrt hat, als ich vor ihm in Traenen ausgebrochen bin. Er wollte mich aufmuntern und meinte, dass er nie gedacht haette, dass ich ueberhaupt laenger als zwei Monate da bleibe und mit den Schuelern auf dem Fussboden in der Schule ohne irgendwas uebernachte, dass ich so gut den Kontakt zu den Kindern und den Lehrern gefunden habe und mich im Dorf integrieren konnte. Er meinte, er koenne meine Arbeit sehr schaetzen und sieht, wie viel ich den Schueler jetzt schon mitgegeben habe und dass sie mich ihr Leben lang nicht vergessen werden. Viele viele Worte, die man wirklich gerne hoert und nachdenen man wirklich mehr Mut hat, weiter zu kaempfen. Schade nur, dass ich eigentlich sicher sein kann, dass er einfach nach Gruenden gesucht hat, mich irgendwie da zu behalten. Natuerlich will er die Weisse nicht gehen lassen und damit kann ich das alles wohl doch nicht mehr so ernst nehmen, abgesehen davon, dass ich die Haelfte der Dinge sowieso gegenteilig gesehen hab.
Ich bin grad wirklich an dem Punkt angelangt, wo ich absolut nicht weiss, was ich tun soll.
Dieser Text endet hier, ich weiss, ein komischer Eintrag, aber ich musste mal kurz aufschreiben, was heute eigentlich wieder los war um festzustellen, dass eigentlich nichts los war. Oder doch? Ich weiss gerade nicht so recht, wie ich vernuenftig denken soll und ob ich mein Projekt abbrechen soll oder nicht. Ich wueder mich wohl schwach fuehlen, als haette ich wieder einmal versagt.
Wann kommt der Punkt, wo man an einer Sache kaputt gehen kann und wie lange sollte man Dinge einfach durchziehen und bis zu Ende bringen?

Ich hoffe, bei euch ist alles im gruenen Bereich. Ich freu mich, wenn ihr euch mal wieder meldet.
Liebe Gruesse von der anderen Halbkugel,
die Ruth

Samstag, 7. Mai 2011

Frei, frei und immer noch frei!

Hallo nach Deutschland!!

Jetzt eine Rundmail zu schreiben kostet mich wirklich viel Ueberwindung und ich merk schon nach der ersten Zeile, dass ich mich schon ca. neun Mal vertippt hab. Wie nervig, aber ich bleib tapfer und versuch, euch ein bisschen von meinem Leben der letzten sechs Wochen zu berichten.
Um euch auch gleich am Anfang die Hoffnung zu nehmen, von irgend welchen spannenden Schokokindergeschichten zu hoeren: Ich hatte sechs Wochen frei. Yeah, darueber kann man sich natuerlich nicht beschweren.
Nachdem mir die ganze Sache mit meiner Schule wohl doch ganz schoen zu schaffen gemacht hat, was ich selbst irgendwie nie so realisiert habe, bin ich Mitte Maerz mit den wohl schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens und staendigen Schwindelanfaellen begleitet von Ubelkeit und Schlappheit dann doch irgendwann zum Arzt gegangen. Auch wenn ich mich anfangs gegen zwei Wochen Krankschreibung wehren wollte, konnte ich dann irgendwann einsehen, dass man bei diesem Wetter nicht so leichtsinnig sein sollte und habs mir in meinem Zimmer dann recht gemuetlich gemacht. Puenktlich zum Ferienbeginn bin ich natuerlich auch wieder gesund geworden. Meine Erkenntnis ueber die medizinischen Versorgung in Kenia: Wenn du irgendwas hast, egal was, nimm Tabletten. Mein Rekord waren 14 Stueck pro Tag, das eine Woche lang. Wie gut oder nicht gut das fuer meinen Koerper ist, darueber werde ich jetzt nicht philosophieren, jedenfalls bin ich wieder top fit!

In der ersten Ferienwoche sind wir mit Nina wieder mal nach Lamu gefahren, was, natuerlich, wieder unbeschreiblich schoen war. Dort zu sein ist, wie aus Kenia raus in eine andere Welt. Na gut, vielleicht uebertreib ich auch masslos, aber wir konnten super gut entspannen und hatten einfach eine coole Zeit.

In der zweiten Ferienwoche gings mit Urlaub weiter, wir sind mit Terry und Wencke einmal um den Mt Kenya drumherum. Von Stadt zu Stadt, immer nur fuer eine Nacht, um am naechsten Tag wieder im Matatu zu sitzen, um weiter die ganze Zeit krasse Landschaften anzugucken, die sich aller halben Stunde irgendwie total veraendern. Das Problem beim taeglichen Matatufahren ist Folgendes: In Deutschland kann man wohl schon Wochen vor der Reise im Internet und auf saemtlichen Fahrplaenen lesen, wann dir Reise beginnt, wie lange sie dauern wird und zu welcher Minute man am ausgewaehlten Reisezeil ankommen wird. Das krasse dabei ist ja, dass es meistens genau so stimmt. In Kenia ist das so, dass man sich in ein Matatu setzt und wartet, bis dies voll ist, damit der Fahrer dann startet. Da man nie wissen kann, wie viele Leute in der naechsten Zeit die gleich Strecke fahren wollen, kann es sich entweder um fuenf Minuten oder eben um drei Stunden handeln. Aus der Erfahrung und noch vielen vielen anderen haben wir wieder einmal gelernt: NIEMALS planen! Wir wussten am Morgen noch nicht, wo wir mittags sind und in welcher Stadt wir diesmal uebernachten. Und ganz ehrlich gesagt mag ich sowas so gern!

Nachdem die beiden Maedels wieder nach Mombasa mussten, hab ich mich ziemlich spontan noch entschlossen, nach Uganda zu fahren, um wieder andere Freiwillige zu treffen. Wir haben uns die Hauptstadt Kampala angeguckt, wo ich sogar mal in eine Moschee rein durfte. In Mombasa wurde mir das immer verboten, meine Gastfamilie meinte, dass es da keine Chance fuer mich gibt, es sei denn, ich konvertiere zum Islam. Dort musste ich dafuer einen Euro fuers Kopftuch und eine Spende fuer den schlechtesten Rundgang der Welt abtreten, was mich ziemlich stark genervt hat, weil ich es nicht ab kann, wenn Leute mit so was versuchen, Geld zu machen. Aber natuerlich, es gibt viel krassere Dinge, bei denen es sich viel mehr lohnt, sich aufzuregen…
Danach war ich war noch ein paar Tage bei anderen Freiwilligen – ja, genau, dieses Netz zwischen den ganzen FWDlern funktioniert prima! – auf dem Land und habe versucht, Unterschiede zwischen Uganda und Kenia rauszubekommen. Naja, Uganda ist nochmal ein Stueck aermer, sie essen nicht nur Chapati (das geilste Fladenbrot der Welt), sondern Rolex (das geilste Faldenbrot der Welt mit spanischem Omlett), die Landschaft ist so gruen, wie ich es fast noch nirgends in Ostafrika gesehen hab, die Menschen haben, so scheint es mir, ein breiteres Gesicht und essen wohl weniger, denn immer, wenn wir was Nahrhaftes gesucht haben, konnte das eine halbe Stunde und laenger dauern, wobei man in Kenia aller zwei Metern ein Restaurant findet. Und da Extremste im Vergleich zu Mombasa war natuerlich, dass der arabisch muslimische Einfluss fast komplett gefehlt hat.
Was wir sonst noch so gemacht haben? Wir waren am Aequator, den Thomson Falls, dem Elementaita See und den Nilquellen. Wir sind mit Sachen in einen Pool gesprungen, um eine ach so feine Englaenderin nass zu machen und zu verscheuchen, wir waren tanzen, haben Karten gespielt, gequatscht, uns ausgeruht. Wir sind stundelang durch irgendwelche unbekannte Ortschaften gelaufen, haben Menschen beobachtet und das kuehle Wetter genossen, was man in Mombasa schon so oft vermisst hat.

Gestern frueh bin ich dann wieder in Mombasa angekommen und wie sich das fuer mich angefuehlt hat, kann ich nicht so richtig beschreiben. Ich kann noch nicht wirklich realisieren, dass am Montag der Alltag und das heisst auch, das Unterrichten wieder anfaengt. Fuer Weltwaerts habe ich vorhin einen Fragebogen augefuellt und irgendwie hab ich gemerkt, dass ich mit meinem Projekt nicht zufrieden bin. Bei Fragen wie „Verstehen die Leute der Arbeit dich?“, „Wirst du unterstuetzt beim Zurechtfinden in der fremden Kultur?“, „Hast du einen Anprechpartner im Ausland, der dir bei Problemen hilft?“ musste ich immer „Trifft uberhaupt nicht zu.“ angeben. Dafuer traf Folgendes zu: „Ich fuehle mich ueberfordert.“, „Ich fuehle mich mit meinen Problemen allein gelassen und unverstanden.“

Ich weiss absolut nicht, was mich nach einer so langen Pause jetzt in der Schule wieder erwarten wird. Ich habe auf der einen Seite Angst und auf der anderen Seite bin ich mit den Nerven und Kraeften schon wieder am Ende, aber ich werde es trotzdem versuchen und abgesehen von dem ganzen Stress dort fuehl ich mich in Kenia gerade mehr als wohl. An dieser Stelle muss ich unbedingt erzaehlen: Es hat wirklich wirklich angefangen, in Mombasa zu regnen. Das Wetter ist trotzdem noch angenehm sommerlich und die Regenschauer sind einfach wahnsinnig schoene Gluecksmomente.

Was gibt es denn so Neues aus Deutschland? Wie geht es euch? Was macht das Leben?
Ich hoffe, ihr koennt euern Fruehling ganz doll geniessen!

Mit viele liebe Mombasagruesse,
die Ruth