Dienstag, 22. März 2011

Die coole Wohnung.

Gerade eben ist mir mal aufgefallen, dass ich euch etwas immer noch nicht erzaehlt habe: Ja, genau, ich bin ausgezogen.
Grundsaetzlich habe ich mich mit meiner Gastfamilie gut verstanden. Ziemlich schnell konnte ich mich an einen streitfreudigen Frauenhaushalt gewoehnen und war auch gern bei Verwandtenbesuchen dabei, denn die waren meistens alle nett. Vorallem der Rammadan (die einmonatige Fastenzeit im August) war eine wirklich coole und interessante Zeit und allgemein konnte ich in der Familie wirklich viel ueber die Leute in Kenya, ueber den muslimischen Glauben und ueber die Kultur kennenlernen.
Ausserdem konnte ich durch meine Familie den Id feiern, das Abschlussfest des Rammadans, was hier eine riesen Sache ist, da es so viele Muslime gibt. Ich durfte mit auf Hochzeiten gehen und hab das kenianische Fernseh kennen gelernt (ihr lieben Deuschen, bitte sei dankbar fuer richig gutes Fersehprogramm…). Viele viele Sachen, die mir wirklich einen sehr intensiven Einblick in den kenianischen Alltag gegeben haben und ich bin sehr froh, dass ich das so erleben durfte.
Irgendwann musste ich nur leider feststellen, dass ich sie zwar alle sehr gern mag, aber ich mich nicht ganz wohl fuehle. Selbst nach vier Monaten hab ich mich noch unsicher gefuehlt und wusste nich, ob ich schon anfangen darf mit essen oder noch warten soll, ob ich mich auf den Platz auf dem Sofa setzen darf, ob ich abwaschen soll beziehungsweise darf (mithelfen bei Hausarbeiten wurde mir am Anfang immer verboten), ob ich dies oder das machen soll oder lassen muss. Auch beim Fragen hab ich mich immer nicht getraut und hatte oft bei allem, was ich tue, das Gefuehl, es ist falsch, egal was ich gemacht habe. Ausserdem konnte ich mit den Launen meiner Gastmutter nicht so richig gut umgehen – sehr oft ist es vorgekommen, das mitten aus einem Gespraech heraus ein grosses Geschrei losging, was entweder darin endete, dass auf einmal jemand aus dem Zimmer gerannt ist oder alle – da war ich wirklich immer wieder sehr verwirrt – angefangen haben, ernsthaft zu lachen. Ein paar wenige Male bin ich selber auch in solche chaotischen Zankereien involviert gewesen. Einmal hab ich zum Beispiel gefragt, wer denn meine Suessigkeiten gegessen hat.”Es ist wirklich nicht schlimm und ich teile gern mit euch, aber bitte fragt mich vorher, wenn ihr meine Sachen nehmt” Was ich damit gemeint hab, konnte wohl keiner so richtig verstehen, denn als sie meinten, dass sie mir neue kaufen wuerden und ich das abgelehnt hab, wurde ich auf einmal ausgeschimpft dafuer, dass ich dann ohne Grund eine Streiterei angefangen habe. Zum Schluss wurde die Schuld auf meinen kleinen Gastcousin geschoben, der zweieinhalb Jahre alt ist und nicht mal wissen kann, wo meine Suessigkeiten liegen.
Es gab viele solcher Situationen, wo ich einfach nur dastand und nichts verstanden habe, von dem was da grad passiert.
Dazu kamen noch ganz viele kleine Sachen: “Nein, du kannst dich jezt nicht duschen, das Wasser reicht sonst nicht” wobei Andere das Wasser verschwendet haben. (Sich nicht duschen zu duerfen in Kenia kann zu einer ziemlichen Folter werden.)
Zum Schluss offenbarte mir meine Gastmutter dann irgendwann, dass sie sich mit ihrem Ehemann gestritten hat und dass das der Grund dafuer gewesen ist, dass in ihrem Bett Platz fuer mich frei wurde. Geplant war es jedoch von Anfang an nicht, dass ich ein ganzes Jahr dort bleibe, denn er wollte jetzt wiederkommen, nur dass mir das niemand gesagt hat und ich von ganz anderen Sachen ausgegangen bin.
Alles in Allem war das dann doch ein wenig viel und ich hab mich entschieden, die Gastfamilie zu wechseln.
Bevor ich davon erzaehle ersteinmal ein paar Fotos von meinem ersten KeniazuHause:


Das Wohnzimmer, in dem sich das komplette Familienleben abgespielt hat: Fernseh gucken; Hausaufgaben machen; einfach nur rumgammeln; quatschen; essen; backen; streiten; beten; schlafen;...


Das ist das Schlafzimmer, welches ich mir mit meiner Gastmutter geteilt habe. Mehr als ein Bett (welches wir uns auch geteilt haben) passt da wirklich nicht rein, was auch der Grund war, warum ich die ganze Zeit nur aus dem Koffer gelebt habe.


Unsere Kueche...


...mit dem "Waschbecken".


Mein gescheiterter Versuch, deutsches Essen "Spiegelei und Bratkartoffeln" zu kochen. Meine juengere Gastschwester hat von Anfang an gesagt, dass sie sowas nicht essen wird, meine aeltere Gastschwester hat ewig in ihrem Ei rumgeruehrt und dabei so angewiedert geguckt, dass es mir schon fast Leid tat und meine Gasttante hat die Haelfte der Kartoffeln zur Seite getan mit dem Kommentar: "Das ist noch nicht durch!" Aber zumindest hat sich meine Gastmutter wahnsinnig gefreut.


Mit meiner Gastschwester Salma beim Rumalbern.


Einfach zu suess mein Jai!


Ueberraschung!!! Nachdem meine Gastfamilie absolut nicht an meinen Geburtstag gedacht hatte und auch auf Arbeit keiner irgendwelche Anstalten gemacht hat, wurde ich dann, als ich abends zurueck in die Familie gegangen bin, ziemlich ueberrumpelt...!


Zu Geburtstagen laeuft es hier ganz oft so, dass derjenige seinen Kuchen aufschneidet, dann jeden einzelnen Gast persoenlich fuettert und danach von jedem persoenlich gefuettert wird.


Alle zusammen (abgesehen von meinem Gastcousin, der musste mal wieder schlafen)


Nachdem ich unserer Organisation von meinen Problemen erzaehlt habe und dass ich gerne wechseln wuerde, hat sich eineinhalb Monate nichts getan. Da ich dann aber schon mit meiner Gastfamilie darueber geredet habe und irgendwie gezwungen war, dort weg zu gehen und ich unheimlich Glueck hatte, dass Theresia aus Malindi gerade in Mombasa die Wohnung der vorhergehenden Freiwilligen uebernommen hatte habe ich mich mit bei ihr im Zimmer einquatiert. Nach wieder eineinhalb Monaten, meine Organisation konnte immer noch keine Gastfamilie fuer mich finden – hier muss man wirklich mal sagen, dass sie typische Kenianer sind, die uns immer wieder enttaeuschen - habe ich dann von mir selber aus beschlossen, ins gerade freiwerdende Nachbarzimmer zu ziehen.
Eigentlich wollte ich hier nicht alleine wohnen, sondern die Chance der Gastfamilie auch wirklich 12 Monate warnehmen, aber nach diesem Hin und Her von drei Monaten musste ich dann einfach mal wieder in einem richtigen Bett schlafen. Wochenlanges Fussbodenschlafen und Sichuberfluessigfuehlen sollte jetzt doch langsam mal aufhoeren, so dass mir noch genug Kraft fuer meine Arbeit bleibt.
Also: Seit dem siebten Maerz wohne ich jetzt nun in meinem eigenen Zimmer in meiner eigenen ersten WG und ich fuehl mich einfach nur super wohl.
Ich hatte wirklich viel Glueck, dass das alles auch so hingehauen hat und da das Leben nun mal nicht fuers Planen gemacht ist (zumindest hier in Kenia, und das stimmt wirklich!), kann ich mich mit meiner Situation, die sich nun so ergeben hat, wirklich sehr gluecklich schaetzen!
Wir haben mit Terry hier echt richtig viel Spass und es laeuftt alles gut, mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen. Ja, das stimmt auch, unser Luxus ist wieder gestiegen, (das gehoert dazu, ob ich mich darueber freuen sollte??) Wir haben zum Beispiel fliessend Wasser und jeder sein eigenes Zimmer mit eigenem Bett. Wow, wie sich das anfuehlt… Ausserdem kann man Krach machen so viel man will, was ich wirklich sehr geniessen kann, denn Led Zeppelin ist wieder laut und, weil ich es mir einfach nicht verkneifen konnte: Ich habe mir eine Gitarre gekauft; auch wenn sie kein Klavier ist macht sie mich sehr gluecklich!
Was so eine eigene Wohnung noch fuer Vorteile hat, wisst ihr ja sicherlich(Bier, lange Naechte, Kochkuenste,…). Also, ihr seht, mir geht es hier grad bombe…


Mein Zimmer.


Der Flur.


Die Kueche.


Unsere Dachterasse (und Waescheplatz).


Ausblick vom Balkon aus.


Wenn man mal genau hinguckt: Genau, da steht eine Couchgarnitur und: Genau, sie steht nicht neben oder in dem Haus, nein, sie steht AUF dem Haus...


Ausblick aufs Meer vom Balkon aus.


Und nochmal das Meer.


Terry hat sich mal Kreide gekauft, um ihre Wand anzumalen, weil man das so leicht wieder abwischen kann. Als sie dann feststellte, dass sie niemald 100 Stueck braucht und mir das uebriggebliebene geben wollte, damit ich es mit in die Schule nehmen kann kan ich auf die Idee: Lass uns doch den Fussboden anmalen. Eigentlich hab ich mit der Antwort:"Du spinnst ja!" gerechnet, aber Terry war sehr begeistert und das war dann eben unsere Abendbeschaeftigung...


Ansonsten macht die Sonne hier immernoch ihren 500% Job, ich geh mittlerweile so dreimal am Tag duschen, wenn nicht grad das Wasser ausfaellt.

Lasst es euch gut gehen und geniesst den Fruehling!
Mit herzlichsten Gruessen aus Mombasa,

Eure Ruth