Samstag, 7. Mai 2011

Frei, frei und immer noch frei!

Hallo nach Deutschland!!

Jetzt eine Rundmail zu schreiben kostet mich wirklich viel Ueberwindung und ich merk schon nach der ersten Zeile, dass ich mich schon ca. neun Mal vertippt hab. Wie nervig, aber ich bleib tapfer und versuch, euch ein bisschen von meinem Leben der letzten sechs Wochen zu berichten.
Um euch auch gleich am Anfang die Hoffnung zu nehmen, von irgend welchen spannenden Schokokindergeschichten zu hoeren: Ich hatte sechs Wochen frei. Yeah, darueber kann man sich natuerlich nicht beschweren.
Nachdem mir die ganze Sache mit meiner Schule wohl doch ganz schoen zu schaffen gemacht hat, was ich selbst irgendwie nie so realisiert habe, bin ich Mitte Maerz mit den wohl schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens und staendigen Schwindelanfaellen begleitet von Ubelkeit und Schlappheit dann doch irgendwann zum Arzt gegangen. Auch wenn ich mich anfangs gegen zwei Wochen Krankschreibung wehren wollte, konnte ich dann irgendwann einsehen, dass man bei diesem Wetter nicht so leichtsinnig sein sollte und habs mir in meinem Zimmer dann recht gemuetlich gemacht. Puenktlich zum Ferienbeginn bin ich natuerlich auch wieder gesund geworden. Meine Erkenntnis ueber die medizinischen Versorgung in Kenia: Wenn du irgendwas hast, egal was, nimm Tabletten. Mein Rekord waren 14 Stueck pro Tag, das eine Woche lang. Wie gut oder nicht gut das fuer meinen Koerper ist, darueber werde ich jetzt nicht philosophieren, jedenfalls bin ich wieder top fit!

In der ersten Ferienwoche sind wir mit Nina wieder mal nach Lamu gefahren, was, natuerlich, wieder unbeschreiblich schoen war. Dort zu sein ist, wie aus Kenia raus in eine andere Welt. Na gut, vielleicht uebertreib ich auch masslos, aber wir konnten super gut entspannen und hatten einfach eine coole Zeit.

In der zweiten Ferienwoche gings mit Urlaub weiter, wir sind mit Terry und Wencke einmal um den Mt Kenya drumherum. Von Stadt zu Stadt, immer nur fuer eine Nacht, um am naechsten Tag wieder im Matatu zu sitzen, um weiter die ganze Zeit krasse Landschaften anzugucken, die sich aller halben Stunde irgendwie total veraendern. Das Problem beim taeglichen Matatufahren ist Folgendes: In Deutschland kann man wohl schon Wochen vor der Reise im Internet und auf saemtlichen Fahrplaenen lesen, wann dir Reise beginnt, wie lange sie dauern wird und zu welcher Minute man am ausgewaehlten Reisezeil ankommen wird. Das krasse dabei ist ja, dass es meistens genau so stimmt. In Kenia ist das so, dass man sich in ein Matatu setzt und wartet, bis dies voll ist, damit der Fahrer dann startet. Da man nie wissen kann, wie viele Leute in der naechsten Zeit die gleich Strecke fahren wollen, kann es sich entweder um fuenf Minuten oder eben um drei Stunden handeln. Aus der Erfahrung und noch vielen vielen anderen haben wir wieder einmal gelernt: NIEMALS planen! Wir wussten am Morgen noch nicht, wo wir mittags sind und in welcher Stadt wir diesmal uebernachten. Und ganz ehrlich gesagt mag ich sowas so gern!

Nachdem die beiden Maedels wieder nach Mombasa mussten, hab ich mich ziemlich spontan noch entschlossen, nach Uganda zu fahren, um wieder andere Freiwillige zu treffen. Wir haben uns die Hauptstadt Kampala angeguckt, wo ich sogar mal in eine Moschee rein durfte. In Mombasa wurde mir das immer verboten, meine Gastfamilie meinte, dass es da keine Chance fuer mich gibt, es sei denn, ich konvertiere zum Islam. Dort musste ich dafuer einen Euro fuers Kopftuch und eine Spende fuer den schlechtesten Rundgang der Welt abtreten, was mich ziemlich stark genervt hat, weil ich es nicht ab kann, wenn Leute mit so was versuchen, Geld zu machen. Aber natuerlich, es gibt viel krassere Dinge, bei denen es sich viel mehr lohnt, sich aufzuregen…
Danach war ich war noch ein paar Tage bei anderen Freiwilligen – ja, genau, dieses Netz zwischen den ganzen FWDlern funktioniert prima! – auf dem Land und habe versucht, Unterschiede zwischen Uganda und Kenia rauszubekommen. Naja, Uganda ist nochmal ein Stueck aermer, sie essen nicht nur Chapati (das geilste Fladenbrot der Welt), sondern Rolex (das geilste Faldenbrot der Welt mit spanischem Omlett), die Landschaft ist so gruen, wie ich es fast noch nirgends in Ostafrika gesehen hab, die Menschen haben, so scheint es mir, ein breiteres Gesicht und essen wohl weniger, denn immer, wenn wir was Nahrhaftes gesucht haben, konnte das eine halbe Stunde und laenger dauern, wobei man in Kenia aller zwei Metern ein Restaurant findet. Und da Extremste im Vergleich zu Mombasa war natuerlich, dass der arabisch muslimische Einfluss fast komplett gefehlt hat.
Was wir sonst noch so gemacht haben? Wir waren am Aequator, den Thomson Falls, dem Elementaita See und den Nilquellen. Wir sind mit Sachen in einen Pool gesprungen, um eine ach so feine Englaenderin nass zu machen und zu verscheuchen, wir waren tanzen, haben Karten gespielt, gequatscht, uns ausgeruht. Wir sind stundelang durch irgendwelche unbekannte Ortschaften gelaufen, haben Menschen beobachtet und das kuehle Wetter genossen, was man in Mombasa schon so oft vermisst hat.

Gestern frueh bin ich dann wieder in Mombasa angekommen und wie sich das fuer mich angefuehlt hat, kann ich nicht so richtig beschreiben. Ich kann noch nicht wirklich realisieren, dass am Montag der Alltag und das heisst auch, das Unterrichten wieder anfaengt. Fuer Weltwaerts habe ich vorhin einen Fragebogen augefuellt und irgendwie hab ich gemerkt, dass ich mit meinem Projekt nicht zufrieden bin. Bei Fragen wie „Verstehen die Leute der Arbeit dich?“, „Wirst du unterstuetzt beim Zurechtfinden in der fremden Kultur?“, „Hast du einen Anprechpartner im Ausland, der dir bei Problemen hilft?“ musste ich immer „Trifft uberhaupt nicht zu.“ angeben. Dafuer traf Folgendes zu: „Ich fuehle mich ueberfordert.“, „Ich fuehle mich mit meinen Problemen allein gelassen und unverstanden.“

Ich weiss absolut nicht, was mich nach einer so langen Pause jetzt in der Schule wieder erwarten wird. Ich habe auf der einen Seite Angst und auf der anderen Seite bin ich mit den Nerven und Kraeften schon wieder am Ende, aber ich werde es trotzdem versuchen und abgesehen von dem ganzen Stress dort fuehl ich mich in Kenia gerade mehr als wohl. An dieser Stelle muss ich unbedingt erzaehlen: Es hat wirklich wirklich angefangen, in Mombasa zu regnen. Das Wetter ist trotzdem noch angenehm sommerlich und die Regenschauer sind einfach wahnsinnig schoene Gluecksmomente.

Was gibt es denn so Neues aus Deutschland? Wie geht es euch? Was macht das Leben?
Ich hoffe, ihr koennt euern Fruehling ganz doll geniessen!

Mit viele liebe Mombasagruesse,
die Ruth

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