Mittwoch, 10. November 2010

Neues zum 3-Monats-Tag

Hallo hallo.

Mal wieder ein paar Neuigkeiten von mir.
Am naechsten Montag bin ich nun schon genau 3 Monate hier, was nicht nur bedeutet, dass mein Visum abgelaufen ist. Das allerdings ist fuer uns Deutsche grad ein etwas groesseres Problem, denn wir wissen noch nicht, ob es so einfach ist mit dem Verlaengern und eventuell muessen wir das dann auch bezahlen. Nun ja, die Leute von unserer Organisation hier vor Ort sind eben richtige Kenianer – das bedeutet, sie sind etwas planlos und ziemlich entspannt – und da sind wir nun wieder einmal an der Reihe, uns selber zu kuemmern.
Wenn ich so realisiere, dass jetzt schon ein Viertel von meinem ganzen Jahr rum ist, merk ich, dass die Zeit wirklich schnell vergeht. Aber ich hab noch Einiges vor in den naechsten Monaten. Zum Beispiel wollen wir in drei Wochen nach Lamu – auf eine kleine Insel an der Nordkueste Kenias – fahren, zu irgend einem Kulturfestival. Viel weiss ich nicht darueber, aber Eselwettrennen hat sich auf jeden Fall lustig angehoert. Ausserdem hab ich mir vorgenommen, ein bisschen das Land zu erkunden, vielleicht eine Volunteerkollegin, die im Landesinnere wohnt, besuchen – sie weiss noch nichts davon – oder was mir sonst noch so einfaellt.
Wo ich Weihnachten verbringe weiss ich auch noch nicht. Merlins Gastfamilie hat mich nach Malindi – zirka zwei Stunden Busfahrt von Mombasa entfernt – eingeladen, aber Merlin hatte einen Motorradunfall. Das Krankenhaus vor Ort hat ihr offenes Bein wieder irgendwie zusammengeflickt, aber sehr ungruendlich und in Kenias Hauptstadt Nairobi haben sie es dann noch mal aufgemacht und es noch mal versucht. Merlin hat jetzt entschieden, nach Deutschland zu zurueckzufliegen...
Wo ich nun dran gewohnt war, dass es im Oktober und November kalt wird, dass man ueberall Weihnachtskitsch findet und dass man Pfefferkuchen isst wird es in Mombasa gerade Sommer. Wie ihr vielleicht wisst, war das Wetter bis jetzt immer sehr warm hier, immer so um die 30 Grad. Nachts war es auf jeden Fall schoen, einen Ventilator im Zimmer zu haben und eine Bettdecke war meistens nur ueberfluessig und ich hab gern drauf verzichtet, trotzdem bin ich frueh durchgeschwitzt aufgewacht. Jetzt aber wird es Sommer... Auch wenn man so viel Sommer nur geniessen kann ist es immer mal wieder schoen, wenn es regnet. Gestern hat es vormittags angefangen aus Kannen zu schuetten und unser “Klassenraum“ wurde total ueberflutet. Weil unterrichtet nicht mehr moeglich war, auch, weil es so laut durch den Regen war, haben wir uns mit der Nachbarklasse zusammengetan und unendlich viel gesungen. „Rain, rain, go away, come again another day“ hat zwar nicht direkt etwas gebracht, aber es hat riesen Spass gemacht und nachdem wir noch ein bisschen im Schlamm getanzt haben ist das Wetter auch wieder schoen geworden. In solchen Momenten merke ich immer wieder, dass Kinderlachen eines der schoensten Dinge der Welt ist.
Manchmal gehen wir an den Wochenenden aus unseren kenianischen Welten und kommen in die westliche  zurueck. So zum Beispiel waren wir vor zwei Wochen auf einem Musikfestival. Nachdem wir erstmal fuer unsere jetzigen Verhaeltnisse wirklich sehr viel Geld geblecht haben, haben wir realisiert, dass ungefair geschaetzte 70 Prozent der Leute weiss waren. Fuer ein Saft hat man ganze 1 Euro 50 bazahlt und fuer einen Buerger haette man 6 Euro opfern muessen. Auch die Bands waren sehr europaeisch und die unendlich vielen Touristen... na ja, sagen wir mal lieber nichts.
Geschlafen haben wir in ganz einfachen, aber gemuetlichen Huetten fuer 4 Euro Uebernachtungskosten und das fruehstuecken und relaxen am Strand am naechsten Tag war auch sehr entspannend.
Letztes Wochenende hab ich viel Zeit in meiner Gastfamilie verbracht. Meine Gastmutter war eben der Meinung, dass ich krank werde, wenn ich soviel unterwegs bin, sie kennt es nicht, dass jemand viel unternimmt und nicht nur das ganze Wochenende zu Hause ist. (Normaler bin ich am Wochenende nicht da)
Freitag Abend hat sie mir dann gesagt, dass wir morgen Mittag zu einer muslimischen Hochzeit gehen. Da war ich natuerlich erst mal ziemlich aufgeregt, schon alleine, weil ich nicht wusste, was ich denn ueberhaupt anziehen soll. Aber als wir dann am naechsten Tag hingegangen sind, war alles etwas unspektakulaerer als ich es mir vorgestellt habe.
Als wir angekommen sind, sind wir in eine riesige Halle gegangen, wo mehrere hundert Musliminin gegessen haben. Maenner habe ich nicht gesehen, wie gesagt, die feiern getrennt. Nachdem meine Gastmutter und ihre Schwester wirklich unzufrieden mit dem Essen waren und wir noch ungefair eine halbe Stunde gewartet haben sind wir dann auch schon wieder gegangen. Ich hab weder die Braut noch den Braeutigam gesehen und es hat auch niemand zu irgendwelcher Musik getanzt so wie sie es mir vorher beschrieben haben, abgesehen davon, dass es gar keine Musik gab, aber wir waren auch nur eine Stunde da. Ich lass mich mal von der naechsten Hochzeit ueberraschen, aber ich hab auf jeden Fall mal wieder gelernt, dass die Muslime es ein bisschen anders handhaben mit dem heiraten...
Was ich in den letzten Tagen wieder einmal ziemlich stark gemerkt hab ist, dass das Essen hier wirklich richtig lecker ist, auch wenn es irgendwie nichts mit unseren deutschen Malzeiten zu tun hat. Von fettigem Fladenbrot ueber frisches Gemuese bis hin zu suessen, frittierten Teigtaschen mag ich eigentlich fast alles. Mittlerweile ist es auch normal, dass man mal die Rester von Gestern zum Fruehstueck isst – zum Beispiel Reis oder Kartoffeltomatensosse und was wir in Deutschland unseren Tieren verfuettern essen wir hier als Hauptgang und fast jeden Tag: Mais.
Ausserdem wuerde hier wohl niemand seinen Tee ohne den zwei Essloeffeln – das ist eher unter- als uebertrieben – Zucker trinken und auch wenn viel Kaffe aus Afrika kommt – trinken tut den hier irgendwie niemand.
Nun ja, schon alleine um zu lernen, wie man das alles kocht wird es sich gelohnt haben, nach Kenia gegangen zu sein.

Das wars jetzt erst mal wieder von mir. Ich wuensch euch viele schoene naechste Tage und Wochen und geniesst eure Weihnachtszeit, Andere werden sie dieses Jahr vermissen!

Liebe Gruesse aus Afrika,
Ruth

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